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ACHTER BRIEF

 

[352 St.] PLATON WÜNSCHT DEN VERWANDTEN, EINHEIMISCHEN WIE AUSWÄRTIGEN POLITISCHEN FREUNDEN DES DION SEGEN DER VERNUNFT IN ALLEN HANDLUNGEN IHRES LEBENS

 

Aber durch welche moralisch-politische Ideen ihr den großten Segen in eurem Wirken haben konntet, damit will ich nach Vermögen euch bekannt machen. Ich hoffe aber vorzüglich euch vor Allen natürlich die zum Besten dienenden Ratschläge zu erteilen, jedoch euch nicht allein sondern in zweiter Linie auch allen Einwohnern in Syrakus und in dritter Linie auch euren Feinden mit und ohne Kriegswaffen, mit alleiniger Ausnahme, wenn einer etwa mit einer allgemein fluchwürdigen Tat belastet ist, denn solche Taten sind unheilbar und Niemand wird je wieder ihre Schuld auswaschen. Vernehmet aber mit eurer Seele welche Gedanken ich euch jetzt mitteile.

Nachdem in ganz Sizilien die Tyrannen-Herrschaft abgeschafft worden ist, so dreht sich euer ganzer Kampf eben darum, daß Einige jene Herrschaft wieder herstellen, Andre dagegen die Befreiung davon gründlich vollenden wollen. In solchen Fällen scheint der gemeinen Mehrzahl der Politiker das jedes Mal der richtigste Ratschlag zu sein, daß hier man die Maßregeln vorschlagen müsse, welche den politischen Gegnern das möglich größte Verderben, der eignen Partei aber den größten Vorteil bringen. Aber die unvermeidliche Folge davon ist daß ein Staatsmann selbst sich viele Schlappen andrer Art zuzieht, wenn er über die Gegenpartei viele arge Maßregeln verhängt. Und ihr braucht gar nicht weit zu gehen, um die Wahrheit dieses Grundsatzes in der Wirklichkeit zu sehen, ihr braucht nur die bisherige Geschichte eben in Sizilien zu betrachten, welche nur darin bestand, daß die eine Partei die andre zu maßregeln sucht, und die andre sich gegen diese Maßregeln tätlich zur Wehre setzt. Von den Folgen solcher Ratschläge könnt ihr ein Liedchen singen und gründliche Lehrmeister für jeden Zweifler darüber werden. An solchen Ratschlägen also für die zum Maßregeln geneigte Partei-Landschaft gibt es keinen Mangel; dagegen aber solche Ratschläge, welche Allen ersprießlich werden, Freund wie Feind, und beiden Seiten den möglich geringsten Nachteil bringen, diese zu erspähen ist nicht leicht, und hat man sie erspähet, so ist es nicht leicht sie zu verwirklichen, und ein solcher Rat und der Versuch ihn sprachlich auszudrücken scheint nur ein frommer Wunsch zu sein. Drum soll er uns Veranlassung zu einem frommen Wunsche im eigentlichen Sinne des Wortes werden, [353 St.] denn jedes Wort und jeden Gedanken muß man mit Gott beginnen, und dieses unser Gebet möge in Erfüllung gehen und uns einen politischen Rat der oben gedachten Art eingeben!

Bevor der Krieg in Sizilien begann, herrschte eine einzige Familie fortwährend über euch und wohl auch über eure jetzigen Gegner, und diese Familie wählten eure Väter in der Lage einer gänzlichen Verzweiflung, als für das griechische Sizilien die äußerste Gefahr vorhanden war von den Karthagern verwüstet und ihrer Barbaren-Herrschaft unterworfen zu werden. Denn damals erkoren sie erstlich den Dionys I als jungen und kriegerischen Mann zu der ihm zusagenden Leitung der Kriegsgeschäfte, und zweitens zu seinem älteren Beirat Hipparinos, behufs der Rettung Siziliens, und gaben ihnen den bekannten Titel unumschränkte Herrn der Republik. Und sollte nun einer glauben, eine göttliche Fügung und ein Gott, oder die persönliche Tüchtigkeit der beiden Oberen, oder Beides nebst der Bürgerhilfe sei glücklicher Weise die Ursache zur damaligen Rettung geworden, so mag das hingestellt sein, wie immer einer darüber denkt. Rettung aber ist nun einmal damals geglückt in Folge der damaligen Taten. Nachdem jene beiden Männer sich mit solchen Eigenschaften gezeigt, so ist es billig daß Alle für ihre rettenden Taten sich dankbar beweisen. Wenn aber in der Folge der Zeit die unumschränkte Herrschaft der Republik von dem damaligen Geschenk der Bürgerschaft einen schlechten Gebrauch gemacht hat, so hat sie bereits dafür ihre verdiente Strafe oder hat sie noch zu verbüßen. Da erhebt sich die Frage: Welche Strafe soll ihnen nach den obwaltenden Umständen zu Teil werden, welche auf die natürlichste Weise die angemessene wäre? Wenn ihr eurerseits es für eine Möglichkeit halten solltet sich jener Herrn ohne große Gefahren und Mühen zu entledigen, oder wenn diese die Möglichkeit sehen sollten so leichten Spiels die Herrschaft wieder zu erhalten, so würde es auch keine Möglichkeit geben für die Erteilung der unten vorzutragenden Ratschläge. Da müßt ihr aber beiderseits beherzigen und euch ins Gedächtnis zurückrufen wie oft ihr beiderseits am langgehofften Punkte standet, euch jedesmal im Glauben zu wiegen, es fehle jetzt wohl nur ein klein Wenig, um in der Politik Alles ganz nach Wunsch und Willen gehen zu sehen, und daß hernach dieses klein Wenig jedesmal unglücklicher Weise die Quelle tausendfacher Übel wurde, und daß es niemals ein Ende davon gab, sondern das längst schon geglaubte Ende knüpfte sich immer wieder an einen neu keimenden Anfang, und durch diesen ewigen Kreislauf riskiert sowohl der gesamte Begriff von Herrschergewalt als auch der von Untertan ganz zu Grunde zu gehen. Ja, wenn eintreffen sollte was als eine Wahrscheinlichkeit voraus zu sehen ist, obgleich man es nicht wünscht, so wird dadurch ganz Sizilien der hellenischen Sprache und Kultur verlustig, wenn es als Beute unter irgend eine barbarische Knute und Kralle der benachbarten Punier oder Römer verfällt. Gegen diese Gefahren nun müssen alle Hellenen mit allem möglichen Fleiße ein Heilmittel suchen. Wenn nun Jemand ein treffenderes und heilsameres hätte als das welches unten von mir angegeben werden soll, [354 St.] so würde er mit dem vollsten Rechte den Namen eines Griechenfreundes dadurch verdienen daß er es zum Besten gäbe. Was mir aber für jetzt unmaßgeblich als das beste erscheint, dies mein Geheimnis will ich jetzt mit aller Freimütigkeit und in einer für alle Seiten unparteiischen Sprache mitteilen. Denn ich rede natürlich als eine Art Schiedsrichter, in Gedanken an beide Seiten mich wendend, sowohl an den knechtenden als auch an den geknechteten Teil, und diese mögen im Voraus wissen daß jeder einzelnen Seite ich keinen anderen als meinen schon alten Rat erteile. Da wäre denn jetzt aber meine ratgebende Sprache an jeden nur ein militärisches Regiment führenden Souverän vor Allem einmal erstlich sowohl diesen Namen als auch die Handlungsart eines solchen zu vermeiden und wo möglich diesen Namen in den eines patriarchalischen Fürsten zu verwandeln. Dies ist aber möglich, wie ein weiser und tüchtiger Mann, Lykurgos, es praktisch bewiesen hat. Als er das Volk seiner Nation in Argos und Messene aus den patriarchalischen Fürstenhäusern in die Gewalt von militärischen Zwingherrn kommen sah, und daß diese beiderseits sich selbst und auch ihr Gemeinwesen zu Grunde richteten, so brachte er, aus Besorgnis sowohl für seine Bürgerschaft wie für sein fürstliches Haus, ein Heilmittel herbei, bestehend erstlich in dem Regimente des Senates und dann in der volkstümlichen Errichtung der Ephoren, welche der Zaum und der Anker der Fürstenwürde sein sollte, und daher genießen da so viele Generationen mit Ruhm eine friedliche konservative Regierung, dieweil dort Gesetz der souveräne Fürst über die Menschen war, und nicht Menschen souveräne Herrn über die Gesetze! Und in diesem Sinne ergeht denn jetzt auch mein Rat an Alle, und zwar erstlich an diejenigen Regierenden welche nach einer militärischen Allgewalt streben, sie sollen verabscheuen und fliehen das gepriesene Glück eben so unersättlich hab- und genußsüchtiger als unverständiger Landesherrn, sie sollen ihre Herrschaft in eine patriarchalisch königliche Regierungsform zu verwandeln suchen, dem Staatsgrundgesetze als dem eigentlichen königlichen Souverän untertan sein, und dabei bleiben sie im Besitze der höchsten Ehren sowohl von Seiten der Menschen als von Seiten der Gesetze. Mein zweiter Rat geht an die Untertanen, welche nach Nichts als nach Freiheit des Lebens schreien und vor dem Joche des Gehorsams als einem Übel in der Welt einen argen Abscheu haben, diesen rate ich, sich ja zu hüten daß sie nicht durch einen unersättlichen Heißhunger nach einer grenzenlosen Freiheit in das Revolutions-Fieber ihrer Voreltern verfallen, welches sie in Folge einer anarchischen Freiheit damals auszustehen hatten, aus Liebe zu einer übermäßigen Freiheit. Das nämlich vor den diktatorischen Herrschern Dionysios und Hipparinos die Oberhand habende Volk lebte damals, wie es wähnte, in solcher Glückseligkeit, indem es dem Taumel der Schwelgerei sich hingab und mit seinen Befehlshabern befehlshaberisch verfuhr. Unter andren setzten sie die vor Dionys kommandierenden Feldobersten ab, verbannten sie, ohne Urteil nach irgend einem Gesetze, damit sie natürlich vor gar Nichts knechtisch gehorsam zu sein brauchten, weder vor einem Richterspruch noch vor einem Gebot des Gesetzes, sondern frei wären, frei überall und frei auf alle Weise. Und daraus keimten ihnen die militärischen Tyrannen-Herrschaften. Denn Knechtsinn und Freiheitsinn im Übermaße sind einer wie der andere ein großes Unheil, bei gehörigem Maße dagegen ein großes Heil. Das gehörige Maß aber anlangend, so beobachtet dies der Knecht vor Gott, nicht beobachtet es der Knecht vor den Menschen, [355 St.] denn Gott ist das Gesetz für vernünftig sich selbst beherrschende Menschen, für die unvernünftigen ist es die sinnliche Lust.

Bei den also bewandten Umständen bitte ich die Freunde Dions die hier allen Syrakusern erteilten Ratschläge denselben als einen gemeinschaftlich von jenem und mir gegebenen Rat bekannt zu machen. Ich bin aber nur der Dolmetscher von seinen Gedanken, welche er, wenn er noch am Leben wäre und es vermöchte, an euch richten würde. Welches ist denn nun, konnte einer hier fragen, die Lehre, welche euch unter den gegenwärtigen Umständen Dions Rat geben würde? Folgende:

O Syrakuser! Schafft euch vor allem erstlich eine gesetzliche Verfassung an, welche die Gedanken eures Geistes nicht auf Gelderwerb und Reichtum, nicht auf Befriedigung eurer Begierden hinlenken, sondern, da es dreierlei Güter des Lebens gibt, die der Seele, die des Leibes und die des äußeren Glückes, so müssen eure Gesetze der Art sein daß sie die Güte der Seele am höchsten stellen, daß sie der des Leibes den zweiten Rang einräumen, weil diese unter der der Seele steht, daß sie endlich den dritten und letzten Platz dem Geld- und Gutbesitz geben, so daß dieser als der Sklave von Leib und Seele erscheint. Und das heilige Gottesgebot, welches solche segensvolle Wirkung hat, das wäre denn einmal die Aufstellung eines eine vernünftige Gleichheit verheißenden Staatsgesetzes von euch, welches Alle wahrhaft glücklich macht die dasselbe befolgen, dagegen die Weltlehre, welche nur das Glück des Reichtums predigt, ist selbst eine armselige, da sie nur das unvernünftige Weiber- und Kindergeschwätz ist, und macht auch die armselig welche sich von ihr verführen lassen und sie im Leben befolgen. Wenn ihr einmal den Segen dieser meiner Lehren über politische Gesetzgebung in der Wirklichkeit gekostet habet, so werdet ihr dann erst praktisch einsehen lernen daß ich hier euch Wahrheiten mitteile, nur die Erfahrung ist bekanntlich der wahrste Prüfstein in allen Dingen. Dieweil Sizilien jetzt in einer sehr kritischen Lage sich befindet, und ihr weder rechte Sieger noch auch vollständig Besiegte seid, so wäre nach Annahme des oben von mir empfohlenen Staatsgrundgesetzes billig und sicherlich auch praktisch vorteilhaft einen gewissen gerechten Mittelweg einzuschlagen zwischen euch, die ihr vor der Knute des Staats-Regimentes einen Abscheu habt, und zwischen denen welche das Ruder des Regimentes wieder in die Hände zu bekommen wünschen, denn ihre Vorfahren haben, was hier ein sehr zu beachtender Punkt ist, die Hellenen von der Barbaren-Herrschaft gerettet und haben deshalb auch ein Recht in Bezug auf Aufstellung einer Staatsverfassung ein Wort mit zu sprechen. Aber wäre man damals zu Grunde gegangen, so wäre weder eine Beratung noch eine Hoffnung zum Besseren übrig geblieben. Aus diesem Grunde nun möge der einen Seite Freiheit mit einem patriarchalisch königlichem Regimente, der andren eine durch ein Staatsgrundgesetz beschränkte königliche Gewalt zu Teil werden, indem die Gesetze die eigentliche Oberherrlichkeit ausüben nicht nur über die Staatsmitglieder sondern auch über die Könige selbst, wenn sie eine Handlung gegen das Grundgesetz begehen sollten. Nach allen diesen versöhnenden Schritten schreitet unter Anrufung des Himmels ohne Intrige und mit gesundem Verstande zur Konigsmacht, und zwar zum ersten wählet meinen Sohn, aus zweierlei Rücksicht, einmal aus Rücksicht auf mich und aus Rücksicht auf meinen Vater. Denn mein Vater hat in der damaligen kritischen Zeit den Staat von den Barbaren befreit, [356 St.] ich aber in unseren Tagen zwei Mal von Tyrannen, wovon ihr selbst Augenzeugen gewesen seid. Zum zweiten Könige wählt euch sodann am schicklichsten den meinem Vater gleichnamigen Sohn des Dionys I, und zwar in Rücksicht sowohl seines bekannten hilfreichen Beistandes als auch wegen seines moralischen Charakters, denn er sucht, obwohl von einem Tyrannen entsprossen, euren Staat frei zu machen, und dadurch hat er seiner Person wie seinem Hause eine dauerndere Größe erworben als durch den Besitz einer vergänglichen und mit Untaten befleckten Tyrannen-Krone. Zur Annahme der dritten Königswürde von Syrakus muß man nach voraus gegangener gegenseitiger Übereinkunft den jetzt an der Spitze des Heeres eurer Feinde stehenden Dionys II, Sohn des Dionys I, einladen, falls er freiwillig mit der Regierungsform eines verfassungsmäßigen Königtums es fertig bringen will, und zwar erstlich aus dem Beweggrunde der Furcht vor den Wechselfällen eines absoluten Gewaltherrschers, zweitens aus dem Beweggrunde seines besseren Gefühls für sein Vaterland, für die Erhaltung der ehrwürdigen Tempel und Altäre, für die Erhaltung der Gräber seiner Vorfahren, erwägend daß er durch fortgesetzten leidenschaftlichen Partei-Starrsinn gänzlich Alles verlieren kann und dann dem schadenfrohen Auslande zum Spotte wird. Die drei Könige aber, ihr möget ihnen nun die Gewalt der lakedämonischen geben oder dieselbe nach vorausgegangener Kapitulation noch verringern, setzet etwa auf diese Weise ein, welche eben zwar euch angedeutet worden ist, worüber ihr aber doch jetzt noch ein Weiteres zu vernehmen habt.

Wenn das Haus Dionys und Haus Hipparin sich zur Pazifikation Siziliens die Hände reichen, um den gegenwärtigen unheilsvollen Wirren ein Ende zu machen, zu ihrem eigenen Ruhme und zu dem ihrer Häuser für jetzt und alle Zeiten: so ernennet, wie früher schon bemerkt wurde, auf die vorläufige Genehmigung eine gewisse aus Einheimischen oder Auswärtigen oder auch aus Beiden gemischte Kommission, und zwar von solcher Qualität die Glieder derselben daß jene beiden Häuser sie als Bevollmächtigte zu den fraglichen Ausgleichungen adoptieren, und zwar in der Anzahl welche ihnen beliebt. Ist aber diese Kommission niedergesetzt, so soll sie zuerst eine auf dem sittlichen Gefühle des Volks beruhende Gesetzgebung aufstellen, und eine solche Verfassungsform daß schicklicher Weise darin die Könige die Oberpriester und die Träger anderer höheren Würden werden können, welche sich für die der dereinstigen Wohltäter und Mehrer der Wohlfahrt des Vaterlandes schicken, ferner nebst einer Volksversammlung und einem Staatsrate sollten sie einen Polizeirat von fünfunddreißig Mann errichten zur Handhabung von Frieden und Ordnung; ferner Gerichtshöfe die einen für diese, die andren für jene Rechtsfälle, der Kriminalgerichtshof über Tod und Verbannung bestehe aus fünfunddreißig Gerichtsräten. Außer diesen soll ferner ein Oberappellations-Gerichtshof errichtet werden, wählbar aus den jedes Jahr abtretenden Beamten, und zwar aus jeder Amts-Branche allemal nur einer, welcher sich nämlich als den besten und gerechtesten erwiesen hat; diese sollen für's folgende Jahr in oberster Instanz über ihre Mitbürger in allen Sachen richten in welchen es sich um Todes-, Zuchthaus- und Verbannungsstrafe handelt. Einer der Könige soll bei solchen Prozessen als Richter nicht gegenwärtig sein, [357 St.] damit er als ein Hohepriester von einem Todes-, Kerker- und Verbannungsurteil unberührt bleibt.

So lange ich am Leben war, ging einmal all mein Denken dahin, daß solche Staatsplane bei euch verwirklicht würden, und diese Gedanken hab' ich noch. Wenn nicht fremde Wüteriche unter der Maske der Freundschaft mir einen Strich hindurch gemacht hätten, so hätte ich nach dem mit euch errungenen Siege über unsere Gegenpartei ein Staatsgrundgesetz ganz in der Art realisiert wie ich es in meinen Gedanken hatte, hierauf hätte ich, wenn die praktische Ausführung meiner Ideen nach meinem Sinne von Statten gegangen wäre, in dem übrigen Sizilien die Städte wieder aufgebaut, indem ich einerseits die Barbaren, mit Ausnahme derer welche im allgemeinen Freiheitskampfe gegen die Tyrannei mitgefochten, aus dem jetzt von ihnen okkupierten Teile vertrieben, andererseits die früheren Bewohner der hellenischen Gebiete in ihre alte Heimat wieder eingesetzt. Und eben dieselben Reform-Pläne teile ich auch jetzt noch euch allen mit, um sie theoretisch zu studieren, um sie praktisch auszuführen, und um Alle zu deren Realisierung zu ermahnen, und den der nicht teil daran nehmen will, müßt ihr für einen gemeinsamen Feind halten. Diese politischen Reform-Plane sind in Absicht auf ihre Verwirklichung keine Unmöglichkeiten, denn welche Ideen in zwei Seelen wirklich existieren und welche Leute von Vernunft und Verstand nach gehöriger Überlegung leicht als die besten finden müssen, diese ganz für Unmöglichkeiten zu halten, das kann nur ein Dummkopf. Unter den zwei Seelen verstehe ich aber die des Hipparin, des Sohnes von Dionys I, und die meines Sohnes. Denn sind diese einmal in der Idee ihrer Politik mit sich einig, so werden sie, denk' ich, wenigstens mit allen denen Syrakusern welchen das Wohl ihres Staates am Herzen liegt auch einig darüber werden.

Und nun nahet euch mit Ehrerbietung und andächtigem Gebete allen Göttern sowohl als auch den übrigen Wesen, welchen man nebst den Göttern bei Erflehung eines höheren Beistandes sich nähern muß, belehret auf wissenschaftlichem Wege und ermahnet zur Ausführung jenes Planes Freund und Feind mit Sanftmut und auf alle Weise der Güte und werdet nicht müde, bis ihr die von mir euch jetzt erteilten moralisch-politischen Ratschläge als von Göttern Wachenden zugesandte Träume vollkommen und glücklich auf Erden verwirklicht habet.“