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NEUNTER BRIEF

 

[357 St.] PLATON WÜNSCHT DEM ARCHYTAS HEIL UND SEGEN DER VERNUNFT IN ALLEN SEINEN HANDLUNGEN

 

Archippos und Philonides sind zu mir gekommen und haben mir den Brief, den du ihnen mitgegeben hast, und die Nachrichten von dir überbracht. Ihre Staatsgeschäfte nun anlangend so haben sie dieselben ohne Schwierigkeiten abgetan, sie erforderten ja auch gar keine besondere Mühwaltung. Sodann erzählten sie mir von den Taten deinerseits und äußerten sich dabei, wie lästig es dir sei daß du von der Last der Staatsgeschäfte nicht frei würdest. Daß es nun freilich das größte Glück ist sich nur mit den Angelegenheiten seiner eigenen Seele zu beschäftigen, [358 St.] zumal wenn man sich solche geistige Beschäftigungen gewählt hat wie du, das ist wohl aller Welt begreiflich, aber da mußt du auch das beherzigen daß Jeder von uns nicht allein für sich selbst geboren worden ist, sondern ein Teil von unserem Dasein gehört dem Vaterlande, ein Teil den Eltern, ein Teil den übrigen Lieben von uns, der meiste Teil aber ist für die zum Gutestun geeigneten Momente bestimmt, welche uns zufällig in unserem Leben zustoßen. Und auf den Ruf des Vaterlandes zur Besorgung seiner Interessen nicht zu hören, ist auch ganz unvernünftig, denn dadurch kommt zugleich das Unglück daß auch eine Karriere für nichtsnutzige Menschen übrig bleibt, welche bei ihrem Schreiten zu Staatsämtern sich nicht vom wahrhaft Besten leiten lassen.

So weit nun hievon. Was aber den Echekrates betrifft, so werde ich auch für die übrige Zeit für ihn Sorge tragen, aus Rücksicht für dich, für seinen Vater Phrynion und auch für den jungen Mann selbst.